Schließung des Flüchtlingscamps in Wiederau und Verlegung der Geflüchteten nach Rossau – GRÜNER Landtagsabgeordneter appelliert an Landrat Damm, die Entscheidung zu revidieren

 

Günther: Für die 60 Flüchtlinge hat sich innerhalb kürzester Zeit ein absolut bemerkenswertes System von Helfern von etwa 100 Personen entwickelt

 

Mittelsachsen/Dresden. Heute (24.2.) hat der Landrat des Landkreises Mittelsachsen, Herr Matthias Damm (CDU) bekannt gegeben, dass das Flüchtlingscamps in Wiederau geschlossen wird. Schon morgen (25.2.) sollen die Geflüchteten nach Rossau (beide Orte im Landkreis Mittelsachsen) verlegt werden.

Wolfram Günther, Landtagsabgeordnete aus Mittelsachsen für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, hat sich daraufhin mit der dringenden Bitte an den Landrat gewandt, die Entscheidung zu revidieren.

„Für die 60 Flüchtlinge in Königshain-Wiederau, Ortsteil Wiederau hat sich innerhalb kürzester Zeit durch das gemeinsame Engagement von Nachbarn und Gemeindeverwaltung ein absolut bemerkenswertes System von Helfern von zur Zeit etwa 100 Personen entwickelt. Es werden persönliche Patenschaften, Deutschkurse, Sportangebote, Betriebsbesichtigungen und andere Ausflüge organisiert; gegenseitig lädt man sich zum Kochen ein. Erste Kontakte für mögliche Berufsausbildungen entstehen. Die zum Teil schwer traumatisierten Flüchtlinge, kommen hier erstmals seit einer langen Flucht zur Ruhe. Die meisten haben bereits eine Odyssee von mehreren Lagern in Deutschland hinter sich. Zwischen einzelnen Paten und Flüchtlingen haben sich innerhalb kurzer Zeit äußerst persönliche Beziehungen entwickelt. Dieses Netz von Helfern hat das Statement der Bundesregierung von >>Wir schaffen das<< aufgegriffen und setzt es in die Tat um.“

 

„Binnen eines Tages wird nun den Geflüchteten mitgeteilt, dass sie in eine leerstehende Fabrikhalle in einem Gewerbegebiet in Rossau verbracht werden sollen. Allen Beteiligten ist klar, dass das Camp in Wiederau keine Dauerlösung ist. Aber so geht man nicht mit traumatisierten Menschen um und so geht man auch nicht mit den einheimischen Helfern um. Die Geflüchteten werden aus allen Strukturen gerissen, die ihnen erstmals wieder Halt und Perspektive geben. Für diese Menschen ist das mehr, als sie aushalten können. Für die Helfer ist das schlicht ein Schlag ins Gesicht. Diejenigen, die bereits von der Entscheidung des Landkreises erfahren haben, sind fassungslos und fühlen sich in ihrem gesellschaftlichen Engagement von Behörden und Politik verraten. Dankesveranstaltungen wie etwa die von Ministerpräsident Tillich werden nun als absoluter Hohn empfunden.“

„Sehr geehrter Herr Damm, dieses Vorgehen ist unerträglich und ich bitte Sie, diese Entscheidung unverzüglich zu revidieren. Ich bitte Sie dafür zu sorgen, dass die Flüchtlinge in Wiederau hier in Ruhe ihre Verfahren zu Ende bringen können und solange hier bleiben können, bis sie in Wohnungen oder Gemeinschaftsunterkünfte vermittelt werden konnten. Das dürfte spätestens innerhalb der nächsten sechs Monate möglich sein. Sehr geehrter Herr Damm, bitte sorgen Sie dafür, dass Mittelsachsen endlich gute Nachrichten produziert und die mittelsächsischen Behörden nicht erneut Anlass für schwerste Kritik bieten.“

„Nicht erst seit Clausnitz und Bautzen stehen Sachsen und auch der Landkreis Mittelsachen negativ im Fokus der bundesdeutschen und internationalen Öffentlichkeit. Unser Ruf ist mittlerweile schwer beschädigt und leider liefert eine lautstarke und medienwirksame Minderheit immer wieder neuen begründeten Anlass zu negativer Berichterstattung. Daher ist es mehr als wichtig, dass alle die Unterstützung erhalten, die sich grundanständig verhalten, aktiv Menschen in Not helfen und ohne deren Engagement die am Rande ihrer Leistungsfähigkeit arbeitenden Behörden ihre Aufgaben gar nicht erfüllen könnten.“

 

Vollständiger Brief an Landrat Matthias Damm

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