Schafhalter brauchen unsere Unterstützung!

Rede des Abgeordneten Wolfram Günther zum Antrag von CDU und SPD „Stärkung der Schafhaltung“ (Drs 6/10468)
60. Sitzung des Sächsischen Landtags, 27. September, TOP 8

– Es gilt das gesprochene Wort –

 

Herr Präsident!
Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Als letzter Redner in der Reihe hat man es immer sehr schwer, weil schon sehr viel
Richtiges gesagt wurde.

Wir brauchen die Schafhaltung aus ganz unterschiedlichen Gründen. Einmal geht es
hierbei um die Art der Landwirtschaft, und das ist genau die Landwirtschaft, wie wir
sie uns immer wünschen: Da erzeugen Leute naturnah und regional Produkte, und
es gibt keine erkennbaren Konflikte mit anderen Bereichen, wie wir es sonst auf
vielen Gebieten verzeichnen. Es wird also regional und auch tiergerecht erzeugt.

Es gibt auch einen unglaublich großen Beitrag nicht nur im Eigeninteresse des
Landwirtschaftszweigs, sondern auch im öffentlichen Interesse, im Interesse des
Natur- und Landschaftsschutzes und damit auch unserer Kulturlandschaften. Denn
dass wir Offenländer, dass wir Weidelandschaften haben, das macht die Vielfalt in
unserem Land aus, und das funktioniert eben nicht ohne Weidehaltung.

Es gibt sogar noch ganz neue Aspekte. Auch über Neophyten haben wir im Landtag
schon gesprochen. Es gibt auch schon Modellprojekte, bei denen geprüft wird, ob
man hiermit bei der Weidehaltung vorankommt. Auch schon angesprochen wurde die
Deichpflege. Es gibt dafür nichts Besseres als die Weidehaltung auf den Deichen.
Obwohl dies alles gut und wünschenswert ist, gibt es riesige Probleme. Wenn man
die Bestandszahlen von 1990 mit denen von heute vergleicht, muss man feststellen,
dass dieser Rückgang wirklich dramatisch ist.

Die Probleme liegen natürlich oft im wirtschaftlichen Bereich. Es rechnet sich kaum,
Weidehaltung mit Schafen zu betreiben. Das betrifft einmal die Pachtpreise, die man
zahlen muss, wenn man auf anderen Flächen weidet. Es gibt aber auch zahlreiche
Konflikte. Dabei ist der Wolf vielleicht nur noch ein „Tröpfchen zum Überlaufen des Fasses“,
aber es gibt auch Konflikte, was Verbisse durch Hunde und Lämmerrisse durch
Füchse, ja selbst durch Rabenvögel anbelangt. Das alles sind Dinge, die statistisch
überhaupt nicht erfasst werden, weil es für den Schäfer gar keinen Sinn hat, so
etwas zu melden. Das wäre nur noch zusätzliche Arbeit. Diese Probleme machen
das Leben des Schäfers wirklich sehr hart.

Dann ist noch der Wolf eines dieser vielen Probleme. Ein Hauptproblem teilen die
Schäfer mit anderen Bereichen: Wo bekommt man die Leute her, die man einstellt?
Wenn wir ihnen für den Mehraufwand, den sie haben, Geld zur Verfügung stellen,
fehlen ihnen die Leute, die sie damit bezahlen sollen. Das ist oft nicht so richtig
umsetzbar.

Natürlich kommt auch immer die Klage über die Bürokratie. Wenn man überhaupt als
Landwirtschaftsbetrieb mit EU-Richtlinien gefördert wird, weil man nur dünne Margen
erwirtschaftet, ist es ein Riesenproblem, wenn man seine Arbeitszeit noch in
Bürokratie steckt. Auch klagen die Schäfer oft über das Verständnis, nicht nur der
Leute in den Behörden, sondern auch der Veterinäre, die zu ihnen kommen und oft
Dinge abarbeiten, die aus Sicht der Schäfer lebensfremd sind.
Das ist ein Baustein, den man nicht mit Regeln hinbekommt, sondern dort ist man
wieder bei dem Grundtatbestand: Verständnis füreinander und diese
Problemsituationen.

Wir haben uns als GRÜNE über den Inhalt des Antrags gefreut, denn es ist nichts
Falsches darin. Deshalb kann ich es vorwegnehmen: Wir werden dem Antrag
zustimmen, weil wir wollen, dass es den Schafhaltern besser geht. Ein kleiner
Wermutstropfen war für uns — das ist Ihnen vielleicht auch nicht verborgen geblieben
—‚ dass wir schon vor der Sommerpause an die Weidehalter einen Antrag
herausgegeben haben, um den mit ihnen zu diskutieren. Der Antrag klang an vielen
Punkten ganz ähnlich. Jetzt debattieren wir hier über Ihren Antrag, aber wir werden
ihn nur,weil wir etwas eigenes erarbeiten wollten, nicht ablehnen. Gleichwohl haben wir
in der Diskussion mit den Weidehaltern gemerkt, dass die Probleme noch weiter
gehen, außer diesen Punkten Ihres Antrags — die alle richtig sind — in der EU-Förderung.

Es gibt in der Weidehaltung neben den Schafen noch andere Tiere. Dabei ist auch
an bestimmte Rinderrassen, Wisente gedacht. Es wurde erwähnt, dass es früher
noch Schweine gab, die man draußen gehalten hat. Das alles sind Dinge, die sich
heute nicht mehr rechnen, die man aber mit in den Blick nehmen könnte.

Es gibt ein weiteres Feld: Wie gehen wir mit unseren öffentlichen Flächen um —
Vorbildfunktion des Freistaates, vielleicht auch anderer Körperschaften —‚ die gezielt
für Weidehaltung zur Verfügung gestellt werden könnten? Es geht ganz klar auch
darum, dass es sich besser rechnet, wenn man Weidehaltung und Schafhaltung
wieder attraktiver machen will, und zwar nicht nur mit öffentlicher Förderung, sondern
das heißt, wir brauchen hier — wie auch in anderen Bereichen der Landwirtschaft —
bessere Ketten in der Verarbeitung. Dabei geht es oft schon um Schlachtstrecken.
Wer darf wie was schlachten? Das ist für einzelne Schäfer oft mit einem Riesenproblem
verbunden, auch die anschließende Vermarktung. Regionale Vermarktung
ist genau das, was wir mit den Schafen wollen. Da fehlt es an vielen Stellen. Dort
können wir noch ganz deutlich unterstützen, auch im Bereich Vertragsnaturschutz,
dass man dazu kommt, noch mehr solche Projekte mit den Schafhaltern
umzusetzen. Das heißt, man kann für die Schafhalter noch mehr tun. Aber deshalb
ist in Ihrem Antrag nichts falsch, und wir werden ihm als GRÜNE gern zustimmen.

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