Staatsregierung verramscht Sachsens Kulturerbe

(2017-295) Seit Ende der 90er Jahre wurden bei sächsischen Denkmalverlusten durch Abbrüche oder Zerstörungen wertvolle Einzelteile vielfältigster Bauzeiten und Baustile im Bergelager für historische Baustoffe Trebsen (bei Grimma) sowie im dortigen Sächsischen Bauteilarchiv gelagert, katalogisiert und für die Nachwelt gesichert. Der mit dieser Aufgabe betraute Förderverein Rittergut Trebsen muss jetzt die hochwassergefährdete, ehemalige Papierfabrik Trebsen mit diesem Bergelager und der Sammlung des sächsischen Bauteilarchivs verlassen.
Da bisher keine bezahlbaren Ausweichstandorte gefunden wurden, droht der Ausverkauf der wertvollen Bestände, die Zerstreuung der Bestandssammlungen bis hin zur Vernichtung von Teilbeständen.

„Meine Fraktion hat darum einen Antrag in den Sächsischen Landtag eingebracht, über den am Mittwochabend (13.12., TOP 14) in der Landtagssitzung abgestimmt wird“, erklärt Wolfram Günther, Sprecher für Denkmalschutz der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag. „Der Freistaat darf nicht tatenlos zuschauen, wie die auch mit öffentlichen Mitteln aufgebauten kulturell bedeutenden Bestände des Sächsischen Bauteilarchives und des Bergelagers für historische Baustoffe in Trebsen aufgelöst und verramscht werden. Hier trägt die Staatsregierung Verantwortung: Entweder muss sie dem Förderverein Ausweichstandorte anbieten oder die Sammlung selbst übernehmen und sichern.“

„Mit unserem Vorschlag der Übernahme mindestens des Sächsischen Bauteilearchivs in die Trägerschaft des Freistaates wollen wir verhindern, dass die Bestände in alle Welt verstreut werden“, erläutert der Abgeordnete. „Wenn der Freistaat nicht aktiv wird, wird es diese wertvollen Bestände, die in besonderer Weise historische Handwerkstechniken und die Entwicklungsstufen von regionaltypischen Bauformen dokumentieren, bald nicht mehr geben. Der Ausverkauf wäre eine kulturhistorische Bankrotterklärung.“

„Ich erwarte, dass die Abgeordneten der Koalition sich diesem Problem nicht verschließen und unseren Antrag unterstützen. Hier ist Gefahr in Verzug, es besteht dringender Handlungsbedarf“, appelliert Günther an die Landtagskolleginnen und -kollegen.

» GRÜNER Antrag ‚Bestände des bisher in Trebsen bestehenden Bergelagers für historische Baustoffe und des Sächsischen Bauteilarchivs sichern‘ (Drs 6/10962)

 

Hintergrund:
Weil das wertvolle sächsische Bauteilearchiv aus seinem hochwassergefährdeten Domizil, der alten Papierfabrik Trebsen, ausziehen muss und der Freistaat offenbar kein Interesse mehr an seinem Denkmal-Schatz hat, droht das Archiv nun aufgelöst zu werden.
Mehr als 20.000 originalgetreue Exponate lagern noch im Bauteilearchiv, u.a. Kapitelle, Säulen, Skulpturen, Fresken, Fenster, Türen und Beschläge, Kachelöfen, Parkett, Dach- und Mauerziegel sowie Treppenteile, Gusssäulen und Stuckornamente. Dazu gehören originale Sockelteile der Frauenkirche, Kristallleuchter und Fenster aus der Jakobskapelle des Rathauses Zwickau, Renaissance-Balkendecken aus Freiberg, Bleiglasfenster aus dem ehemaligen Reichsgericht und Guss-Säulen vom Bahnhof Dresden-Neustadt.
Für hochwasserbedingte Maßnahmen wurden in den Jahren zwischen 2002 bis 2005 knapp 1 Mio. Euro Fördergeld aus dem Programm VwV Infra 2003 (Förderung der Wiederherstellung der vom Augusthochwasser 2002 geschädigten Infrastruktur) für das Bergelager für historische Baustoffe Trebsen ausgezahlt.

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