Verkehrsminister bremst beim Thema Radweg an der S 44 zwischen Leisnig und Colditz – GRÜNE: Einordnung des Radwegprojekts in die Klasse C reicht nicht aus – Radwegplanungen in Klasse C sind unverbindlich und ohne festen Baubeginn

Günther: „Außerhalb geschlossener Ortschaften gleicht das Radfahren auf einer Bundes- oder Staatsstraße einer Partie Russisch Roulette“
Der schon lange geforderte Radweg entlang der S 44 zwischen Leisnig und Colditz wird in absehbarer Zeit wohl nicht gebaut. Dies ergab die Antwort der Staatsregierung auf eine aktuelle Kleine Anfrage des umweltpolitischen Sprechers der GRÜNEN Landtagsfraktion Wolfram Günther. Staatsminister Martin Dulig (SPD) begründet dies mit dem Ergebnis einer 2014 durchgeführten Multikriterienanalyse; deren ‚Kriterien […] reichen für den Nachweis der Erforderlichkeit einer Radverkehrsanlage nicht aus‘, so heißt es.
Wolfram Günther, GRÜNER Landtagsabgeordneter aus Mittelsachsen erklärt dazu:
Die Multikriterienanalyse der „Radverkehrskonzeption für den Freistaat Sachsen 2014“ teilt Radverkehrsprojekte anhand verschiedener Kriterien wie Verkehrsaufkommen und Kurvigkeit in drei Prioritätskategorien ein. Der von uns GRÜNEN und vielen Bürgerinnen und Bürgern geforderte staatsstraßenbegleitende Radweg entlang der S 44 zwischen Leisnig und Colditz wurde 2014 nur in Kategorie C eingeordnet. Für die Maßnahmen in dieser Kategorie sieht die Staatsregierung keinen Bedarf.“
Ihre ablehnende Haltung begründet die Staatsregierung vor allem mit einem „zu geringen Verkehrsaufkommen“ auf dem Streckenabschnitt der S 44 zwischen Leisnig und Colditz. Dabei wird der enorme Geschwindigkeitsunterschied zwischen Autos und Fahrrädern außerhalb geschlossener Ortschaften von gut 85 km/h jedoch vollkommen außer Acht gelassen. Ich halte es für höchst bedenklich, wie leichtfertig die Staatsregierung die Sicherheit von Radfahrenden aufs Spiel setzt.“
Außerhalb geschlossener Ortschaften gleicht das Radfahren auf einer Bundes- oder Staatsstraße einer Partie ‚Russisch Roulette‘. Erst im vergangenen Herbst hat sich in der Nähe von Colditz auf der B 176 bei Raschütz ein tödlicher Unfall ereignet, der hätte vermieden werden können, wenn es dort einen Radweg geben würde. Zwischen 2005 und 2010 verunglückten drei weitere Radfahrende unmittelbar auf der S 44, eine von ihnen wurde schwer verletzt“, erklärt der Abgeordnete.
Günther fordert darum: „Die Staatsregierung muss alle Radverkehrsprojekte entlang von außerörtlichen Bundes- und Staatsstraßen mit der höchsten Priorität umsetzen. Nur so können die Verkehrssicherheit gewährleistet und die Attraktivität des Fahrradfahrens gesteigert werden. Die Radverkehrskonzeption Sachsens von 2014 muss aktualisiert werden. Dabei muss das Projekt des Radweges an der S 44 in die Klasse B besser noch in die Klasse A aufgenommen werden. Sonst warten die Menschen zwischen Colditz und Leisnig noch bis zum St.-Nimmerleins-Tag auf mehr Verkehrssicherheit. Wir GRÜNEN treten dafür auch in Zukunft ein. Ich bleibe an dem Thema dran.“
Antwort von Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) auf die Kleine Anfrage des Abgeordneten Wolfram Günther (GRÜNE) „Bedarf für die Errichtung eines staatsstraßenbegleitenden Radweges entlang der S 44 zwischen Leisnig (Landkreis Mittelsachsen) und Colditz (Landkreis Leipzig)“ (Drs. 6/12660): 
Hintergrund:
Die Maßnahmen, die im Radwegprogramm Sachsens in die Klasse A eingeordnet wurden, sollen bis 2025 umgesetzt werden. Die Realisierung ist dabei abhängig von der Erlangung des Baurechtes und der Bereitstellung der erforderlichen Haushaltsmittel. Ob es gelingt wirklich alle Radwegprojekte dieser Kategorie bis 2025 umzusetzen ist angesichts des aktuellen Baufortschrittes mehr als zweifelhaft.
Die Maßnahmen, die in die Klasse B eingeordnet sind, sollen voraussichtlich erst ab 2025 realisiert werden können.
Für Maßnahmen in der Klasse C gilt die geringste Verbindlichkeit. Bei diesen Maßnahmen ist dieNotwendigkeit lediglich weiter zu prüfen. Nach derzeitigem Stand ist aus Sicht der Staatsregierung an diesen Streckenabschnitten kein straßenbegleitender Radweg erforderlich, da die Verkehrsstärke der Straße gering ist.

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