Erhöhung des Waldanteils in Sachsen? GRÜNE: Im Schneckentempo Richtung 30 Prozent

„Sachsen kommt dem bereits 2003 im Landesentwicklungsplan erklärten Ziel eines 30-prozentigen Waldanteils an der Landesfläche nur im Schneckentempo näher.“
Darauf weist Wolfram Günther, umweltpolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag, aus Anlass des heutigen Wald- Pressetermins von Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) hin.

„In den letzten zehn Jahren gab es im Freistaat nur ganze 0,6 Prozent Waldwachstum“, kritisiert der Abgeordnete. „Während Sachsen im Jahr 2005 27,8 Prozent Waldanteil aufwies, waren es 2011 28,4 Prozent“. Die Angaben entstammen der Antwort des Umweltministers auf eine aktuelle Kleine Anfrage von Wolfram Günther (‚Entwicklung des Waldanteils in Sachsen seit 2005‘ (Drs 6/2083)).
„Seit mittlerweile vier Jahren stagniert die Erhöhung des Waldanteils und liegt unverändert bei 28,4 Prozent.“

„Dass Sachsen nur so langsam seinen Waldanteil steigert, hat ganz konkrete Ursachen“, erläutert Günther. „Seit 2005 gingen allein durch den Braunkohleabbau mehr als 1.7000 Hektar Waldfläche verloren. Durch den Abbau weiterer oberflächennaher Rohstoffe verlor Sachsen weitere 174 Hektar Waldfläche. Jede Erweiterung von Braunkohletagebauen, jede neue Straße, Infrastruktur-, Gewerbe- und Industrieansiedlungen fressen Fläche – ein großer Teil davon ist Wald.“
„Zu den Landkreisen mit Waldverlusten in den letzten Jahren gehören ausgerechnet die beiden waldarmen Landkreise Nordsachsen und Meißen. In Nordsachsen sank der Waldanteil von 21,5 Prozent im Jahr 2008 auf 21,2 Prozent im Jahr 2014. Im Landkreis Meißen sank der Waldanteil im gleichen Zeitraum von 15,4 Prozent auf 15,2 Prozent. Im Landkreis Mittelsachsen stagniert der Waldanteil bei 16,2 Prozent.“

„Ohne zusätzliche Anstrengungen beim Waldumbau ist der sächsische Wald dem Klimawandel nicht gewachsen. Auf der Hälfte der rund 200.000 Hektar Wald in Landesbesitz wachsen Fichten in Monokultur außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes. Sie sind deshalb besonders anfällig gegen Trockenheit und Schädlingsbefall. Schon jetzt treffen Stürme und Borkenkäferbefall besonders die Fichtenmonokulturen.“
„Ziel muss es sein, dass konsequent die Fichtenbestände, die ohne menschliche Eingriffe bestandsbildend erst ab 800 Höhenmetern vorkommen würden, durch größere Anteile von Rotbuche und anderen Laubbäumen wie Hainbuche und Berg-Ahorn in den Mittelgebirgslagen zu ersetzen“, so der Abgeordnete. „Im Hügelland müsste sich die Zusammensetzung der Baumarten gemäß der potenziell natürlichen Vegetation zu mehr Traubeneichen und Hainbuchen verschieben; im Tiefland sollte der Anteil an Eichenarten bedeutend höher sein.“

„Gerade angesichts der Unwägbarkeiten des Klimawandels muss die gesamte standörtlich mögliche Palette heimischer Baumarten genutzt werden – auch wenn dies waldbaulich anspruchsvoll ist und mehr qualifiziertes Forstpersonal erfordert, als nach den Einsparungswellen der letzten Jahre noch zur Verfügung steht“, fordert Günther.
„Die sächsischen Staatswälder sollen endlich nach den internationalen Kriterien für verantwortungsvolle Waldwirtschaft des Forest Stewardship Council (FSC) bewirtschaftet werden. Nach den anspruchsvollen ökologischen und sozialen Qualitätsstandards wurde bisher allerdings erst ein Prozent der sächsischen Waldfläche zertifiziert. Das sind ca. 5.000 Hektar. Zum Vergleich: Die Hälfte des Staatswaldes im Bundesland Rheinland-Pfalz – immerhin 110.000 Hektar – ist bereits nach dem Standard des FSC zertifiziert.“

Sachsen zählt damit zu den waldärmeren Ländern der Bundesrepublik. Unter den deutschen Flächenländern haben Rheinland-Pfalz mit 42 und Hessen mit 40 Prozent den höchsten Waldanteil.
Der Privatwald nimmt ca. 45 Prozent und der Wald in Landesbesitz ca. 38,6 Prozent der Waldfläche Sachsens ein. Acht Prozent des Waldes befinden sich im Eigentum kommunaler Körperschaften, sechs Prozent gehören dem Bund und zwei Prozent sind im Kirchenbesitz.

» Antwort von Umweltminister Thomas Schmidt auf die Kleine Anfrage des Abgeordneten Wolfram Günther (GRÜNE) ‚Entwicklung des Waldanteils in Sachsen seit 2005‘ (Drs 6/2083)

Hintergrund:
FSC (Forest Stewardship Council) ist eine internationale gemeinnützige Organisation, die das erste System zur Zertifizierung nachhaltiger Forstwirtschaft schuf, betreibt und weiterentwickelt.
Aktuell befinden sich die Landeswälder von Hessen, Baden-Württemberg und Thüringen im Zertifizierungsprozess. Die Wälder der Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Berlin sowie zahlreiche Gemeinde- und Privatwälder sind bereits nach den Standards des FSC zertifiziert.
Leitbild der angestrebten Wirtschaftswälder beim FSC-Siegel sind naturnahe Waldökosysteme, die sich bezüglich Baumartenzusammensetzung, Vorrat, Dynamik und Struktur den natürlichen Waldgesellschaften annähern.

» FSC-Standards

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