Sachsen auf der Grünen Woche – Warum das eine Investition ist, die sich auszahlt

Mit der Internationalen Grünen Woche werden in Berlin zum 100. Mal Fragen rund um Ernährung, Landwirtschaft und ländliche Räume ins Zentrum der öffentlichen Debatte gerückt. Für Sachsens Landwirtschafssektor und für uns ist klar: Diese Bühne muss bespielt werden. 

Doch so selbstverständlich ist das nicht: die sächsische Staatsregierung sagte die Beteilung des Freistaates an der weltgrößten Ernährungsmesse erst einmal ab. Dank erfolgreicher Haushaltsverhandlungen haben wir als Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag erreicht, dass Sachsen überhaupt auf der Grünen Woche 2026 vertreten ist – trotz der herausfordernden Rahmenbedingungen einer Minderheitenregierung aus CDU und SPD.

Warum die Grüne Woche für Sachsen wichtig ist

Die Grüne Woche ist eine wichtige Plattform für regionale Landwirtschaft, Ernährungswirtschaft, Handwerk und für den Tourismus. In den Berliner Messe präsentieren sächsische Betriebe ihre Produkte der Welt. Das sächsische Ernährungshandwerk kann hier zeigen, was an Innovationskraft in ihnen steckt, wichtige Kontakte knüpfen, neue Märkte erschließen. Das alles stärkt die Betriebe und damit die regionale Wertschöpfung – für starke ländliche Räume, gute Arbeitsplätze und Nahversorgung im Freistaat ein entscheidender Faktor.

Die Zukunft der europäischen Landwirtschaft

2026 stehen dabei besonders richtungsweisende Fragen auf der Agenda: die Zukunft der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP), die mit Milliardenbeträgen darüber entscheidet, welche Form von Landwirtschaft sich wirtschaftlich trägt; der Umgang mit Neuen Gentechniken (NGT) und Patenten auf Saatgut; die Weiterentwicklung der Tierhaltung hin zu mehr Tierwohl und regionaler Wertschöpfung; der Ausbau von BioRegio-Strukturen; der Schutz von Ackerland vor Spekulation und der Erhalt von Boden in Bauernhand. Ebenso geht es um die Frage, wie gesunde Ernährung für alle Menschen bezahlbar und zugänglich wird – in Stadt und Land, unabhängig vom Einkommen.

Sachsens Perspektiven, Erfahrungen und Lösungen gehören genau an diesen Ort: dorthin, wo über die Zukunft von Ernährung, Landwirtschaft und ländlichen Räumen entschieden wird. Die Grüne Woche bietet die Chance, deutlich zu machen, dass nachhaltige Landwirtschaft, faire Einkommen für Betriebe, Tierwohl, Umwelt- und Klimaschutz sowie gute und gesunde Lebensmittel keine Gegensätze sind, sondern zusammen gedacht und politisch gestaltet werden müssen.

Drängende Fragen an zukunftsfähige Landwirtschaft und Ernährung

Die Herausforderungen sind enorm. Die Grüne Woche beginnt in einer Zeit, in der viele grundlegende Fragen lauter werden:

  • Wie konnte es passieren, dass der Acker und die Lebensmittelverarbeitung immer mehr zur Fabrik wurde?
  • Warum gelangen verbotene Pestizide über Umwege trotzdem auf unsere Teller?
  • Seit wann gibt es Copyrights auf Saatgut – und wird Wasser zur Ware?
  • Und wie sichern wir Ernährung demokratisch, bezahlbar und krisenfest für alle?

Antworten auf viele dieser Fragen liefert der neue Konzernatlas der Heinrich-Böll-Stiftung. Er zeigt schonungslos, wie stark unser Ernährungssystem von wenigen mächtigen Konzernen dominiert wird. Sie kontrollieren Saatgut, Pestizide, Verarbeitung und Handel, setzen Preise durch und nehmen erheblichen Einfluss auf politische Entscheidungen.

Während die Lebensmittelpreise seit 2020 um mehr als ein Drittel gestiegen sind, kämpfen viele Menschen mit bezahlbarer, gesunder Ernährung. Gleichzeitig stehen landwirtschaftliche Betriebe unter massivem Druck: niedrige Erzeugerpreise auf der einen Seite, hohe Gewinne großer Konzerne auf der anderen.

Politik in der Verantwortung

Umso ernüchternder ist, dass die Bundesregierung und die Sächsische Staatsregierung bislang überzeugende Antworten schuldig bleibt. Statt unsere Landwirtschaft klima-, umwelt- und tiergerecht sowie zukunftsfest aufzustellen, werden wichtige Nachhaltigkeitsprogramme ausgebremst oder zurückgedreht. Rückabwicklung statt Aufbruch – und Dieselsubventionen statt echter Reformen. Und das obwohl die Lösungen längst auf dem Tisch liegen – und immer mehr Betriebe und Bürger längst mutig vorangehen.

Der Konzernatlas macht jedoch auch deutlich: Es ist selbstverständlich möglich, Marktmacht zu begrenzen, regionale Strukturen zu stärken und Ernährung gerechter zu organisieren. Auf 19 thematischen Doppelseiten zeigt er mit Daten, Fakten und eindrucksvollen Grafiken, wie Konzentration entsteht – von globalen Agrarmärkten über Dekarbonisierung bis hin zu Nature Credits und Zucker.

Sichtbarkeit, die verpflichtet

Für uns Grüne ist klar: Diese Entwicklungen nehmen wir sehr ernst. Deshalb braucht es starke Regionen, eine vielfältige und nachhaltige Landwirtschaft und bezahlbare, gesunde Ernährung für alle. Die Präsenz Sachsens auf der Grünen Woche ist dafür kein Selbstzweck, sondern Teil einer politischen Haltung.

Sachsens Produkte, Ideen und Perspektiven gehören dorthin, wo Zukunft verhandelt wird.

Gut, dass Sachsen sichtbar bleibt – und gut, dass diese Sichtbarkeit genutzt wird, um die großen Fragen unserer Zeit nicht auszublenden, sondern offen zu diskutieren.

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