Renaturierung wirkt! So war die Infoveranstaltung zur Pleiße

Renaturierter Pleißenabschnitt

Wie eindrucksvoll sich eine ehemalige Bergbaufolgelandschaft entwickeln kann, zeigten am Freitag, dem 8. Mai, Heinz Kaiser und Markus Freygang von der Landestalsperrenverwaltung (LTV) bei der öffentlichen, von mir in Kooperation mit dem BÜNDNISGRÜNEN Kreisverband Landkreis Leipzig organisierten Informationsveranstaltung an der renaturierten Pleiße südlich von Leipzig. Mit dabei waren auch die Bürgermeister von Böhlen und Rötha, Dietmar Berndt und Pascal Németh, Vertreter des Grünen Rings Leipzig, des Landschaftspflegeverbands sowie zahlreiche interessierte Einwohnerinnen und Einwohner der Region.

Begrüßung am Anfang der Veranstaltung

Blick zurück: Das Sorgenkind Pleiße

Die Pleiße ist mit rund 90 Kilometern Länge der größte Nebenfluss der Weißen Elster. Sie entspringt bei Crimmitschau, durchquert die Leipziger Tieflandsbucht und mündet schließlich über das Leipziger Elsterflutbett in die Weiße Elster.

Bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde ihr Verlauf durch zahlreiche Regulierungsmaßnahmen erheblich verändert. Mit dem Beginn des Braunkohletagebaus verschärften sich die Eingriffe deutlich. Um die Tagebaue trocken zu halten, musste großflächig Grundwasser abgepumpt werden, was zu einer weiträumigen Absenkung des Grundwasserspiegels führte. Gleichzeitig wurde die Pleiße verlegt, ihr Flussbett vertieft und begradigt.

Zwischen Regis-Breitingen und Markkleeberg wurde der Fluss auf einer Länge von etwa 35 Kilometern nahezu vollständig und teilweise sogar mehrfach verlegt. Zudem verkürzte sich sein Lauf um rund zehn Kilometer. Die ursprünglichen Mäander wurden abgeschnitten und der Fluss in ein geradliniges Bett gezwungen. Lediglich etwa 1,5 Kilometer der ursprünglichen Pleißenaue südlich von Böhlen blieben erhalten.

Die Folgen dieser massiven Eingriffe waren gravierend. Die sogenannte „Braune Pleiße“ entstand – ein braun gefärbter, übel riechender und ökologisch stark geschädigter Fluss. Bereits Ende der 1980er Jahre kritisierten Umweltaktivisten diesen Zustand und forderten Gegenmaßnahmen.

Fotodokumentation des MfS von Abwässern, die in die Pleiße eingeleitet wurden, 30. Januar 1989.Quelle: BArch, MfS, BV Leipzig, Abt.XVIII, Nr. 673, Bl. 25, Bild 50

Fotodokumentation des MfS von Abwässern, die in die Pleiße eingeleitet wurden, 30. Januar 1989.Quelle: BArch, MfS, BV Leipzig, Abt.XVIII, Nr. 673, Bl. 25, Bild 50

Und heute?

Auch heute fließt die Pleiße streckenweise noch durch ehemaliges Kippengelände. Aus diesen Ablagerungen wird Eisensulfat ausgewaschen, das sowohl die Pleiße als auch die umliegenden Seen braun färbt. Besonders deutlich wird dies in Zeiten niedriger Wasserführung.

„Obwohl es für dieses Problem viele Lösungsansätze gibt, scheint man es auf Landesebene in Sachsen – anders als in der Lausitz – etwas aus dem Blick verloren zu haben. Dabei wird uns diese Herausforderung noch viele Jahrzehnte begleiten. Bund und Land müssen hierfür gemeinsame Lösungen finden“

Markus Freygang, Landestalsperrenverwaltung

Mitarbeiter der Landestalsperrenverwaltung mit Plan zur Renaturierung des Pleißeabschnitts.

Bei Niedrigwasser wird die Pleiße derzeit zusätzlich durch Grubenwasser gestützt. Im Sommer stammt häufig etwa die Hälfte des Flusswassers aus den Tagebauen. Ab 2030 soll diese Einleitung jedoch entfallen. Für einen begradigten Fluss mit geringer Wasserführung hat dies erhebliche Folgen: Ein Abfluss von nur einem Kubikmeter pro Sekunde bedeutet stellenweise lediglich wenige Zentimeter Wassertiefe. Für Fische und andere Wasserorganismen wird das Überleben in einem überhitzten Gewässer dann zunehmend schwierig.

Auch die großen Seen im Leipziger Neuseenland stehen angesichts des Klimawandels vor Herausforderungen. Heiße Sommer und trockene Winter lassen die Wasserstände sinken. Ohne ausreichenden Zufluss fallen die Pegel teilweise unter die abgesicherten Böschungsbereiche. Um ein Abrutschen der Ufer zu verhindern, werden künftig zusätzliche Verbindungen zwischen Flüssen und Seen notwendig sein.

Das Projekt Renaturierung der Pleiße

In den vergangenen Jahren hat die Landestalsperrenverwaltung umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen an der Pleiße umgesetzt. Der erste Bauabschnitt zwischen Rötha und Böhlen wurde am 15. Mai 2023 abgeschlossen. Es handelte sich dabei um die erste Renaturierung eines zuvor künstlich verlegten Flusses in einer Bergbaufolgelandschaft im Landkreis Leipzig.

Dieser Abschnitt ist jedoch nur einer von insgesamt 18 geplanten Teilbereichen. Im Auftrag der LMBV erarbeitete die LTV vor weniger als sechs Jahren eine Machbarkeitsstudie, um die Möglichkeiten einer umfassenden Umgestaltung der Pleiße zu untersuchen. Was zunächst wie eine ambitionierte Vision wirkte, stieß auf breite Zustimmung und wurde schließlich mit konkreten Finanzierungsplänen unterlegt.

Als das damalige Sächsische Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft (SMEKUL) unter Minister Wolfram Günther auf die LTV zukam, gewann das Vorhaben zusätzlich an Dynamik. Insgesamt sollten 16 Millionen Euro aus dem Investitionsgesetz Kohleregionen für das Projekt beantragt werden.

„Die erste Tranche von knapp fünf Millionen Euro wurde bewilligt und soll bis 2029 verlängert werden. Die zweite Tranche steht noch aus. Wir hoffen, die vorbereiteten Maßnahmen dann in die Umsetzung bringen zu können“
Heinz Kaiser, Landestalsperrenverwaltung

Schritt für Schritt soll die Renaturierung nun in Richtung Leipzig fortgesetzt werden.

Die bisherigen Ergebnisse sind bereits deutlich sichtbar. Die gewässerökologische Qualität der Pleiße hat sich spürbar verbessert. Pflanzen- und Tierwelt erholen sich zunehmend. Besonders die Artenvielfalt der Fischbestände hat deutlich zugenommen. Auch außerhalb des Wassers profitiert die Natur von den Maßnahmen. So konnte sich beispielsweise der Eisvogel zwischen Böhlen und Rötha wieder ansiedeln.

Heinz Kaiser betonte, dass die Umsetzung in mehreren Bauabschnitten erfolgte. Interessanterweise floss ein erheblicher Teil der Mittel nicht in die eigentlichen Bauarbeiten, sondern in Planung, Gutachten und Machbarkeitsstudien. Die praktische Umsetzung erfolgte größtenteils durch die Landestalsperrenverwaltung selbst.

Wie Renaturierung zu mehr Lebensqualität im Klimawandel beiträgt

Am Tag der Veranstaltung führte die Pleiße vergleichsweise viel Wasser. Aufgrund der ergiebigen Niederschläge der vorherigen Tage lag der Abfluss bei knapp 15 Kubikmetern pro Sekunde. Dabei handelt es sich inzwischen eher um eine Ausnahme.

Die trockener werdenden Winter und zunehmenden Hitzeperioden im Sommer führen dazu, dass die Wasserführung der Pleiße langfristig zurückgeht. Gleichzeitig steigt die Bedeutung naturnaher Flussstrukturen. Mäander, Seitenarme und flache Auenbereiche verlängern den Fließweg, reduzieren die Fließgeschwindigkeit und verbessern die Wasserspeicherung in der Landschaft. Das hat Vorteile in Zeiten von Trockenheit und trägt gleichzeitig zu einem natürlichen Hochwasserschutz bei.

Dietmar Berndt, Bürgermeister von Böhlen, und Wolfram Günther

Auch die Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner der Städte Böhlen und Rötha sei durch die wiederhergestellte Natur an der Pleiße gestiegen und biete für den Tourismus, auch durch das gut ausgebaute Radwegenetz, neue Chancen.

Pascal Németh, Bürgermeister von Rötha, im Gespräch mit Teilnehmern der Veranstaltung

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